01.12.2009Porträt: Joachim Hampel

Freier Berater bei Janus - Porträt aus dem Jahr 2009

Mit Joachim Hampel warmzuwerden, ist gar nicht so leicht. Er wirkt – zumindest auf mich – so beherrscht, so überlegt. Und dann spricht er auch noch druckreif! Da geht es mir wahrscheinlich wie vielen Menschen, die einem diplomierten Psychologen gegenüber sitzen: Ich fühle mich beobachtet, durchschaut und diagnostiziert.

Das Faszinierende ist: Er spricht tatsächlich druckreif und das, was er über sich erzählt, ist interessant und es sprudelt – erst einmal angefragt – nur so aus ihm heraus.

Aufgewachsen im Pott

Am Tag vor unserem Treffen für dieses Porträt war er auf dem Oktoberfest. Er hat einen dicken Kopf und ist eher langsam, was den Eindruck von Überlegtheit bei mir noch steigert. Joachim stellt fest: „Ich bin schlecht trainiert in Sachen Biertrinken.“ Obwohl er aus einer Bierstadt kommt, wie er selbst sagt, nämlich Dortmund. An seine Heimatstadt muss er auch immer denken, wenn er mit den Auswirkungen der Krise konfrontiert ist. Mit weitreichenden Umorganisationen, in die er heute als Berater involviert ist. Der Ruhrpott hat seinen gravierenden Strukturwandel bereits vor Jahrzehnten erlebt und der hat auch Joachim Hampel geprägt.

Joachim Hampel kommt aus einer gutbürgerlichen und sozial eingestellten Familie: Der Vater ist Architekt, Oma und Mutter engagierten sich sozial. Das Soziale zieht sich bei ihm durch, wie ein Leitmotiv: Er wählt das Psychologie Studium, um als Therapeut anderen Menschen helfen zu können. Sein erster Studienort, Münster, war ihm, der im proletarischen Dortmund aufgewachsen war, zu beamtenhaft. Er nutze die erste Gelegenheit, die sich bot, um zu wechseln: Ins Berlin der Maueröffnungszeit. Das war – wie alle, die es miterlebt haben wissen – eine sehr spannende Zeit und genau der richtige Ort für den vielseitig interessierten Informations-Junkie und passionierten Zeitungsleser. So manche illegale Party an versteckten Orten hat er mitgemacht. „So viel Freiheit und Freiraum war danach nie mehr“, sagt der zweifache Vater.

Ideale

Und wieso ist er schließlich doch kein Psychotherapeut geworden ist? Ist er sich selbst untreu geworden? Hat man ihn „gekauft“? – Kaum. Ein Praktikum bei der Allianz Versicherung im Bildungszentrum Berlin, war entscheidend für den weiteren Berufsweg. Ursprünglich hatte Joachim Hampel das Praktikum nur angetreten, um „mir selbst zu bestätigen, dass die Wirtschaft böse und schlecht ist.“ Er erwartete, auf egoistische Kapitalisten zu treffen. Er traf: Nette Menschen, die respektvoll und höflich miteinander umgingen, ihn sehr förderten und Ideale hatten. Mitarbeiter, um nicht zu sagen Menschen, sollten entwickelt werden. Das passt zu einer Beobachtung hier bei JANUS: Die besten Personalentwickler sind eigentlich Menschenentwickler. Gleichzeitig haben diese es am schwersten, den Spagat zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und humanistischen Motiven zu halten. Aber: Wer sagt schon, dass es einfach ist, Ideale zu haben?

„Ich stelle mich gern in den Dienst wirtschaftlicher Ziele“, sagt Joachim Hampel mit offenem Blick. „Nur wirtschaftlich gesunde Unternehmen investieren kontinuierlich in Mitarbeiterentwicklung.“

Interesse

Nach besagtem Praktikum hat er sofort bei der Allianz als Trainer angefangen und sein Studium parallel beendet. Seine Trainingsthemen schon damals: Kundenorientierung / Verkauf und Führung. „Wenn ich mir heute die Fotos aus dieser Zeit anschaue, frage ich mich schon, wie ich von meinen Teilnehmern – jung und unerfahren wie ich ausgeschaut habe und war – akzeptiert werden konnte.“ Die Antwort gibt er selbst: „Ich interessiere mich wirklich für Menschen und gewinne sie dadurch. Die Leute spüren, dass ich sie voranbringen möchte, dass ich sie kennen lernen möchte und dass ich sie begleiten kann.“ Dies impliziert eine (Zurück-) Haltung, die in manchen Situationen auch hinderlich ist. Nämlich in Erst- und Akquisegesprächen, wenn er es mit Machern zu tun hat, die eher mechanistische Lösungen erwarten, auch im weiten Feld der sogenannten Soft skills. In diesen Momenten wiederum helfen ihm seine eigene Verkaufserfahrung und seine Routine als Verkaufstrainer.

Joachim Hampel lebt heute in Potsdam. Seine beiden Kinder leben abwechselnd bei ihm und bei seiner Ex-Frau, und dieses alternative Arrangement funktioniert seit langem gut. Trennungen – dies hat er mit vielen JANUS-Leuten gemeinsam – waren und sind sehr prägend für ihn. Auch beruflich hat er Trennungen vollzogen und durchlebt, die wichtigste fand 2002/2003 statt, als er ein mit Partnern geführtes Trainings- und Beratungsunternehmen aufgab. „Seitdem ist ein Knoten geplatzt – ich fühle mich sicherer und stärker, weil ich gut durch diese Krise gekommen bin, die sich damals für mich existenziell angefühlt hat.“

JANUS und die JANUS-Kunden profitieren von der immensen Erfahrung des heute 43-jährigen in Führungs-, Konflikt- und Verkaufstrainings. Joachim Hampel findet mit allen Ziel- und Kundengruppen eine Basis. Wenn man erst einmal länger mit ihm redet, wirkt die zurückhaltende und freundlich-beobachtende Art des Jazz-Liebhabers auch wirklich kein bisschen irritierend mehr. Ich hab's ausprobiert!

(CS)

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