24.09.2015Von den Schrillen - und den Stillen

Wenn man so durch die Welt geht, hört, klickt, dann nimmt man ja eigentlich nur die Richard Bransons wahr, die Lady Gagas, die Lothar Matthäusse. Und man glaubt auch gerne: Nur wer ständig etwas herausbringt, per Facebook, per Youtube oder - ehrlich gesagt - auch per Blogposts wie diesen, nur der bringt etwas voran. Die Welt gehört den Lauten, den Charismatikern, den Alphatieren. Wir machen sie zu unseren Bossen, Staatschefs, Fußballtrainern.

Und die Stillen, Introvertierten, Ruhigen? Unterschätzen wir permanent. Coachen oder therapieren sie im schlimmsten Falle sogar hin zu extrovertierteren, sichtbareren, und vermeintlich produktiveren Zeitgenossen. 

Ein großer Fehler, sagt die amerikanische Rechtsanwältin und Autorin Susan Cain. Cain, die sich selbst als introvertiert und zurückhaltend charakterisiert, nahm vor einigen Jahren all ihren Mut zusammen und hielt bei der Ted-Konferenz eine immer noch hörenswerte Rede über die Kraft der Introvertierten. (Und wer es genauer wissen will: Ihr Buch "Still. Die Kraft der Introvertierten“ ist 2013 bei Goldmann erschienen). Cains These: Unsere Schulen, unsere Büros und selbst die Abläufe unserer Meetings sind viel zu sehr auf die Extrovertierten ausgerichtet. Wir sollten lernen, die Ideen und die Kreativität der Ruhigeren, Nachdenklicheren mehr wertzuschätzen. Denn auch Steve Wozniak erfand den ersten Apple-Computer nicht im Großraumbüro. Albert Einstein war ein bekannter Eigenbrötler, und Charles Darwin lehnte grundsätzlich jede Einladung zu einer Dinnerparty ab. 

Cain hat mit ihren Gedanken eine kleine, stille Revolution ausgelöst, selbst die US-Raumfahrtbehörde NASA hat inzwischen ein Führungskräfteprogramm namens Quiet Project Management eingerichtet, um die verborgenen PS der Introvertierten besser auf die Straße bringen zu können.

Wie läuft das bei Ihnen? Wer hat in Ihren Meetings, in Ihren Strategieteams das Sagen? Nur die Lauten, Schlagfertigen? Oder arbeiten Sie mit Verfahren und Techniken, damit auch die stillen Denker ihre Ideen einbringen können?

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