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Anhaltspunkte für Entwicklung

Wer beim Stichwort Feedback an eine simple Rückmeldung zwischen Kollegen denkt, irrt. Als komplexer Prozess hält Feedback für alle Beteiligten gleichermaßen Bewegendes wie Bewegung bereit.

Feedback„Im Arbeitsalltag geht Feedback oft unter: Es gibt keine Kultur dafür und Führungskräfte fordern es nicht ein – dabei gibt es einen deutlichen Hunger danach“, sagt JANUS-Trainerin Daniela Brustmann. Obwohl schon seit geraumer Zeit in aller Munde, ist Feedback als Führungsinstrument in der Unternehmenswelt noch längst nicht angekommen. Dabei ist Feedback eine ganz grundlegende Form von Zuwendung, bedeutet es schließlich, dass sich jemand die Mühe macht, sich mit seinem Gegenüber zu beschäftigen. „Feedback überprüft Selbstbild und Fremdbild und liefert wertvolle Anhaltspunkte für Entwicklung“, sagt JANUS-Geschäftsführer Carsten Schäper. Er sieht in Feedback keine Methode, die man einfach abarbeitet, sondern ein Instrument, welches man erst mit der Zeit virtuos zu spielen vermag.

Feedbackprozesse wirken auf unterschiedlichen Ebenen. Neben individuellem Lernen klärt es die Beziehung zwischen zwei Menschen oder es macht in Teams den aktuellen Zustand von Klima und Kultur deutlich. Grundlegende Voraussetzung: Die Beteiligten öffnen sich gegenüber den zur Verfügung gestellten Informationen und nutzen sie für die Entwicklung ihrer (Führungs-)Persönlichkeit. „Jede Gruppe verfügt über wertvolle Informationen, die den Einzelnen weiter bringen können“, sagt JANUS-Trainer Carsten Schäper und empfiehlt, aus dieser Quelle zu schöpfen.

Eine strukturierte Rückmeldung transportiert Wahrnehmungen nach außen und unterstützt individuelles Lernen der Beteiligten. Feedbackgeber und -nehmer sprechen darüber, was die Zusammenarbeit erleichtert oder wo Hindernisse existieren, wie sie sich im Kontakt fühlen und warum sie wie reagieren. Im intensiven Austausch über die Situation werden Beziehungen entwickelt und gestaltet.

Auf der Beziehungsebene zwischen zwei Menschen hat Feedback ungeheuer viel zu bieten. „Wir machen Enttrübungsarbeit“, erklärt Daniela Brustmann. Strukturierte Rückmeldungen lösen Projektionen auf, klären Gefühle und schaffen mehr Raum für Sachthemen. Die Beteiligten lernen, Fakten, Interpretationen und Emotionen zu erkennen und voneinander zu trennen. Und können anschließend einen Neuanfang mit dem Gegenüber suchen. Bei der Gestaltung des Klimas und der Kultur in Teams spielt Feedback eine zentrale Rolle. Was ist den Teammitgliedern wichtig? Was macht Einzelnen zu schaffen? Was bereitet Freude oder macht miese Stimmung? In Rückmeldungsrunden entsteht ein Bild des aktuellen Zustands eines Teams - und zugleich eine Stoffsammlung für anstehende Veränderungen. Das Bemühen um eine funktionierende Feedback-Kultur lohnt: Ist diese etabliert, entsteht Vertrauen und damit der Nährboden für gute Leistungen und eine produktive Zusammenarbeit.

Doch bei allen Chancen bergen unsauber durchgeführte Feedback-Prozesse durchaus auch Gefahren für die Stimmung in Teams und Unternehmen. „Wer allgemein aburteilt und unreflektierte Bewertungen rausschleudert, gibt kein Feedback, sondern watscht sein Gegenüber ab“, mahnt Daniela Brustmann und rät dazu, allgemein Bewertendes durch subjektive Wahrnehmungen zu ersetzen. Formale Regeln, wie die wertneutrale Formulierung von Wortbeiträgen, die Wiedergabe konkreter Beobachtungen oder das Sprechen ausschließlich im eigenen Namen, erleichtern dem Gegenüber das Gesagte anzunehmen.

„Ein gelungenes Feedback- Gespräch macht die Absicht des Senders ebenso deutlich wie die Bedeutung des Gesagten für den Empfänger“, erklärt Carsten Schäper. Wenn Gefühle in Worte gefasst werden, entscheide sich die Beziehung, so seine Erfahrung. Um hier Hilfestellung zu geben, übernimmt der Trainer in Feedback-Situationen oft auch eine Übersetzerfunktion.

„Menschen sind gefangen in ihren Interpretationen und Bedeutungsgebungen, jeder hat da seine Muster. Meine Aufgabe ist es, Worte in eine förderliche Richtung zu bewegen“, sagt der erfahrene Berater. Seine Hilfen klären Missverständnisse und ebnen den Weg für einen konstruktiven Dialog. Die vielfach zitierten Feedback-Regeln sind zu Beginn ein wichtiges Handwerkszeug, um sich die Trennung von Wahrnehmung, Bewertung und eigener Interpretation bewusst zu machen. Später könnten sie in der Bedeutung zurücktreten gegenüber einem Dialog, der auf gegenseitiges Verstehen abzielt: Statt sich dogmatisch an den vorgegebenen Ablauf eines Gespräches zu halten, sei es wichtiger, dem Fluss zwischen Menschen ungestörten Raum zu geben.

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Forum Nr. 11 / 2007

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