Als es im Rahmen meiner eigenen Führungskräfte-Qualifizierung vor Jahren um das Thema Konfliktmanagement ging, war ich aus irgendeinem Grund auf den Trainer richtig sauer. Meinen Ärger und meine Wut packte ich in entsprechende Worte …. und trug sie freundlich lächelnd vor. Der Trainer meldete mir das zurück. Ich war sehr erstaunt, denn bisher war mir diese Abweichung nicht bewusst. Nach dem Seminar beobachtete ich mich in "Ärger-Situationen" besonders genau. Mittlerweile weiß ich, dass Worte und Mimik kongruent sein dürfen und müssen, um klare Botschaften zu übermitteln und dass man in Konfliktsituationen nicht freundlich lächeln muss, um anschließend noch gemocht zu werden
Mein erstes Feedbackerlebnis fand im Deutschunterricht statt. Ich war zwölf und wir sollten paarweise einander mitteilen, was wir aneinander mögen. Die einschneidende Erinnerung habe ich an Carmen: Sie hat mir gesagt, dass sie mich mag und darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich habe mich direkt in sie verliebt und war damit Wochen beschäftigt. Auch die anderen Begegnungen waren eindrucksvoll. Es war damals – und ist es heute noch - sehr ungewöhnlich, einander in die Augen zu schauen und derartige Mitteilungen zumachen. Seitdem lassen mich Feedback und die intensiven Gefühle, die es auslösen kann, nicht los. Es muss ja nicht gleich Liebe sein...
Die wohl feedbackintensivste Zeit hatte ich als Teilnehmerin in einem Führungskräfteprogramm. Zum Auftakt wurden wir aufgefordert, uns wortlos einen Lernpartner zu suchen. Das ging so schnell, dass ich ohne selbst aktiv zu wählen plötzlich mit einer Person zusammenstand, die mich gewählt hatte. Als die Trainerin meinte, „abwerben“ sei erlaubt, bin ich von meinem ersten Lernpartner weggegangen und habe mich zu dem Zweierpaar mit meinem Wunschkandidaten dazugestellt. Mich hat das viel Mut und Standfähigkeit gekostet. Bei dem abschließenden Feedback überraschte mich am meisten, dass man mir meine Aufregung nicht angemerkt hat. Das rufe ich mir heute manchmal noch vor Augen, wenn ich zu Beginn eines Trainings angespannt bin.
Ich war 15 und relativ frisch bei einer Jugendgruppe, als wir ein Gruppensoziogramm erstellen sollten: Jeder möge einen Platz wählen, der seiner Rolle in der Gruppe entspräche. Als ich mich in den äußersten Winkel des Raumes verzog, merkte ich, wie schmerzhaft es war, mir meine Rolle als Außenseiterin bewusst zu machen. Und gleichzeitig spürte ich eine Erleichterung, mir und den anderen zu zeigen, was los ist. In der Gruppe löste meine Platzwahl einen regelrechten Ruck aus. Ich erfuhr im Anschluss viel Zuwendung und das Bemühen, mich zuintegrieren. Bis heute erlebe ich immer wieder, dass das Sichtbarwerden negativer Gefühle auch hilfreich ist. Es löst Spannungen und ermöglicht Bewegung in verfahrenen Situationen.
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