Gute Werte liefern eine Antwort auf die Frage: Was trägt uns durch die Krise? Sie schaffen in der Organisation ein Gefühl von dem, was wirklich wichtig ist und verbinden Menschen. Wichtig: Sie lösen die Krise nicht, aber sie geben Kraft für wichtige, vielleicht auch schmerzhafte Entscheidungen. Nehmen wir den gerne genommenen Wert „Fairness“. Gelebte Fairness prägt den Umgang mit Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden auch in der Krise. Sie wird dafür sorgen, dass Entscheidungen – selbst wenn sie unpopulär sind – eher akzeptiert, wenn nicht sogar besser verstanden werden. Fairness vertieft die Bindung an ein Unternehmen. Sie macht stolz, dazuzugehören, das heißt auch, eine Krise gemeinsam durchzustehen. Sie gibt Kraft. „Transparenz“ steht ebenso als Wert in vielen Unternehmensleitbildern. Wenn die Verantwortlichen dies ernst meinen, dann muten sie sich und ihren Mitarbeitern auch in der Krise die ganze Wahrheit zu. Und sie werden zu ihrer Überraschung merken, dass dies tatsächlich – nach dem ersten Schock – Kraft gibt. Etwas, was sie bei ruhigem Seegang nur behauptet haben, erfahren sie nun im Sturm. Kein Mitarbeiter, kein Geschäftspartner will dumm gehalten werden. Menschen ernst zu nehmen, setzt Ressourcen frei.
Ich glaube übrigens, dass Werte in der Krise die Führung mehr fordern, als die Mannschaft. Wenn die Mannschaft spürt, dass „die da oben“ es sich auch in stürmischen Zeiten nicht leicht machen mit Dingen, die sie bei schönerem Wetter einmal versprochen haben, wenn deutlich wird, dass sie mit widersprüchlichen Werten und der Sicherung der Existenz des Unternehmens wirklich ringen, sind Mitarbeiter eher bereit, sich einzusetzen und Einschränkungen – welcher Art auch immer – mitzutragen.
Der schönste Effekt des wertbasierten Umgangs mit der Krise zeigt sich, wenn die Krise vorbei ist. (Glauben Sie es: Auch diese Krise geht vorbei!) Prinzipientreue wird mit Vertrauen entgolten. Der Lohn der Standhaftigkeit ist Glaubwürdigkeit. Genau diese kann man sich nirgends kaufen. Und die Geschichte der Krisenbewältigung wird in die Annalen Ihres Unternehmens eingehen. Von dort kann sie hervorgeholt werden, wenn Sie einmal wieder etwas von Ihren Mitarbeitern brauchen. Denken Sie so weit? Denken Sie so weit!
CS
Axel Menze
30. Dezember 2008, Nr. 535
Lieber Herr Schäfer, ich sitze gerade über unserer Vertriebsplanung 2009 und denke über die Ziele und deren Erreichung nach. Und hier stellt sich natürlich die Frage nach den Auswirkungen der Wirtschaftskrise und der drohenden Rezession. Nachdem ich Ihren Artikel im aktuellen Janusforum gelesen habe - vielen Dank übrigens dafür - stimme ich Ihnen insbesondere in den Punkten Fairness, Transparenz und Glaubwürdigkeit im Zusammenhang mit Unternehmenswerten zu. Das Leben dieser Werte ist leider nicht immer ganz einfach! Ich wünsche Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem Team einen guten Rutsch ins Neue Jahr und vor allem ein erfolgreiches Jahr 2009. Ihr Axel Menze