Gerade verlieren wieder viele, die es eigentlich überhaupt nicht können und – bedauerlicherweise – auch nicht lernen wollen. Weil sie es uncool finden, nicht modern, nicht angemessen. Die großen Parteien und die beteiligten Personen verlieren und reden sich die traurigen Ergebnisse schön, dass einem ganz schwummerig wird.
Dabei gibt es in vielen öffentlichen Feldern gut trainierte Verlierer. Ich will eigentlich nicht als erstes bei Olli Kahn stehen bleiben, muss es dann aber doch. Der hat nach dem Verlieren immer so in die Kamera geknurrt, dass der wohlmeinende Sportreporter dann sofort dachte, er würde jetzt gleich ein wichtiges oder unwichtiges Körperteil verlieren, so dass dann der Verlust bei Olli nicht mehr so groß war, weil er an der Stelle schon wieder auf der Siegerstraße war. Nein, ich will hier auch nicht von unserem bayerischen Ministerpräsidenten sprechen, der immer mehr verliert; an Ansehen, an Schlachten, an Wortwitz und trotzdem dauernd über die Mutter aller Siege spricht. Das Einzige, was er gerade nicht verliert, sind Falten.
Mein echtes Vorbild im Verlieren ist Mathias Platzeck. Er hat es sehr hart gehabt in seiner kurzen Zeit bei dieser großen Volkspartei (die zu ihrem eigenen Bedauern gerade das Volk verloren hat). Seine Statur hat er nicht verloren – nicht während der Zeit und erst recht nicht bei seinem Rücktritt. Er hat nichts verdeckt und gezeigt, dass er da nicht hin gehört und er die Position und ihre Anforderung mit seinen Werten nicht verbinden will und kann und ist in seine „Heimat“ zurückgekehrt. Dort wurde er durch sein würdevolles Verlieren jetzt so angesehen, dass seine Partei ein absolutes Ausnahmeergebnis mit ihm als Chef hingelegt hat.
Fazit: Gut Verlieren lohnt sich also doch. Als Führungskraft gewinnen Sie Achtung und Hochachtung Ihrer Mitarbeiter, wenn Sie es machen wie Herr Platzeck (bitte nicht so wie Olli!). Mitarbeiter wissen ganz genau: ohne Verlieren geht es nicht. Und schauen sehr drauf, ob sie ihren Rückzug ehrlich hinbringen oder die große Sieger-Dispersionsfarbe über die Niederlage pinseln.
CHV
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