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Tempowechsel

Das Leben hält dynamische Phasen und ruhige Momente bereit. Nicht jedem jedoch liegen abrupte Übergänge. Es gilt, Tempowechsel zu erkennen und bewusst zu gestalten.

In einer hektischen Welt kann plötzlicher Stillstand eine Herausforderung sein: Für viele Beschäftigte ist derzeit Kurzarbeit ein Thema. In der Flaute fällt es manchen sogar schwer, das Wenige, was anfällt, motiviert zu tun. Für andere findet der berufliche Alltag in der Krise mehr den je auf der Überholspur statt.

An der Schnittstelle zwischen zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten wird der Weg plötzlich holprig. Wer kennt das nicht? Die Startschwierigkeiten nach dem Urlaub, das schlagartige Runterkommen für ein Meeting oder das Auftauchen nach einer Konzeptionsphase? Bei anderen verursacht der Schritt durch die heimische Haustüre oder die Arbeit mit anders getakteten Menschen einen Tempowechsel. Wer Projekte managt oder Veränderungen begleitet, kennt rasante Endspurts und plötzliche Leere nur zu gut. Christine Müller, die bei JANUS unter anderem Gesundheitsthemen vertritt, hält ein gutes Gespür für das eigene Tempo für unverzichtbar – wenn es fehlt, steige das Risiko eines Burn-Outs.

Jeder Mensch und jede Organisation haben ihren eigenen Rhythmus, in dem Tempowechsel stattfinden. „Viele Menschen haben sich daran gewöhnt, im Task-Force-Modus zu arbeiten“, sagt JANUS-Beraterin Daniela Fuchs. Dann liegt die Aufmerksamkeit immer auf dem Dringenden – wichtige, vielleicht komplexere Aufgaben mit der größten Hebelwirkung bleiben oft liegen. Für Qualitätssicherung ist kaum Zeit. „Man muss mal aus der Operative und dem Tempo raus, um einen kritischen Blick auf Arbeitsweise und Arbeitsergebnisse zu werfen“, rät Trainerin Fuchs.

Tempowechsel spielen sich auf drei Ebenen ab: Der persönlichen Ebene, der Interaktion zwischen Menschen und der Ebene der Organisation. Entsprechend vielfältig sind die Effekte eines Taktsprungs sowie die Gestaltungsoptionen, um Tempowechsel zu begegnen (vgl. Kasten). Vor allem die Schnittstelle mit anderen Menschen sorgt für Konfliktstoff zwischen den Beteiligten.

Sabine Stadel-Strauch, Geschäftsführerin bei Ketchum in München, hat ihre Karriere nach Geburt ihrer Tochter für eine Weile auf Sparflamme gesetzt. Aktuell lebt sie eine Vier-Tage-Woche. Dass sie von manchen belächelt wird, stört sie nicht: „Tempowechsel erfordern Mut, man muss die Reaktion aushalten“. Wenn man die eigenen Prioritäten jedoch klar habe, nehme man Sticheleien ebenso wie das Risiko zu scheitern in Kauf. „Beziehungsorientiert Nein-Sagen“, nennt Christine Müller diese Fähigkeit. Kritisch wird es, wenn eine Änderung der Geschwindigkeit außerhalb der Komfortzone der Betroffenen liegt. Dennoch: „Es ist wichtig wie im Sport, ab und zu das Tempo zu wechseln, um die Leistungsfähigkeit und Effektivität zu erhalten“, sagt Daniela Fuchs.

Ahmed Sahyoun lebt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke. Dennoch sagt der verantwortliche Controller in der Hoerbiger Antriebstechnik, Schongau: „Es tut gut, einmal Ruhe zu haben, die Gedanken schweifen zu lassen und anderen zuzuhören“. Er genießt solche Momente bei der Arbeit und mit seinem JANUS-Coach. Für ihn eine wichtige Erkenntnis – und ein gravierender Widerspruch – sagt er doch von sich selbst „ich bin kein Typ für Tempowechsel“.

Wenn Ahmed Sahyoun mit Menschen zu tun hat, die einer niedrigeren Taktzahl folgen, erwartet er, dass sie sich für ihn für die anstehenden Aufgaben auf Touren bringen: „Ich versuche, andere um mich herum mitzureißen“. Schwierig empfindet er Begegnungen mit verschiedener Takt-Frequenz, insbesondere wenn er selbst angespannt ist. Dann fordert es seine Selbstdisziplin, die Ungeduld im Zaum zu halten: „Ich sehe durchaus die Gefahr, andere zu überfahren und zu überfordern und damit wertvollen Input zur Sache zu verlieren.“

Die meisten Organisationen verzichten darauf, Tempowechsel zu thematisieren. Ahmed Sahyoun versucht, hier die Brücke zu schlagen: „Ich erkenne jetzt öfter, wenn meine Leute überfordert sind, weil das Tempo zu hoch oder die Arbeitsbelastung zu lang ist“. Dann schickt er Mitarbeiter schon mal nach Hause – und sorgt so dafür, dass sie langfristig das Tempo ihres Chefs überhaupt mithalten können.

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