Wer den verständlichen Wunsch hegt, geschützt vor den Gefahren der Welt durchs Leben zu gehen, neigt dazu, sehr eng zu fokussieren. Er engt sein Gesichtsfeld so stark ein, dass Mensch nur noch sieht und sehen kann, was er erträgt. Die Kutscher setzten den Pferden Scheuklappen auf. Kinder favorisieren die Möglichkeit, sich die Augen zuzuhalten. Für diesen Zweck nutzt der moderne Mensch heute wunderbare multifunktionale Schweißtücher, so genannte „Buffs“, mit denen er in der Überstreif-Variation „blind chikken“ das Thema ähnlich lösen kann.
Was hat dieser ganze Kinderkram nun mit Resilienz zu tun? Einiges – sag ich kühn: Ist der Quell von Selbstschutz und Selbstheilung freundliche Ignoranz!?
Ohne Verdrängung, Vergessen und Scheuklappen wären wir im Hirn und Herzen ein einziger Müllhaufen oder eine überfüllte Jauchegrube. Es stellt sich immer mehr heraus, dass eine unserer größten Fähigkeiten genau DAS ist, zu dem wir in der Regel ungern stehen: Vergessen und Verdrängen. Klar, dies ruft keine Begeisterung bei uns (ja wo ist er denn, der Schlüssel, das Handy …) hervor. Sogar dem Internet wollen Spezialisten jetzt das Vergessen beibringen.
Die Theorie geht davon aus, dass Menschen dazu neigen, positive Erinnerungen und Vorkommnisse öfter abzurufen. Durch das häufige Abrufen entsteht im Hirn scheinbar eine bessere Bahnung, das Vergessen gelingt nicht und es entsteht eine Art short list unserer besten Erinnerungen. So denken wir weniger an die letzte Abmahnung, den letzten Streit in der Beziehung oder das letzte Foto aus der Blitzerkamera und freuen uns an den inneren Bildern aus dem letzten Urlaub.
Unerklärlich und wohl menschlich bleibt, warum wir trotzdem begeistert zum nächsten Ehestreit oder zum Konflikt mit dem Nachbarn schreiten. Vielleicht brauchen wir schlechte Erfahrungen, um die Maschinerie des Verdrängens und Vergessens geölt und in Gang zu halten. Rätsel über Rätsel und die Antwort? Schnell vergessen.
CHV
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