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Interview

Mitarbeiter sind primär auf kooperative und faire Interaktionen ausgerichtet. Ein Gespräch mit Prof. Joachim Bauer, Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut.

Sie sprechen zum Thema Führung. Was haben Neurobiologie und Führungsarbeit miteinander zu tun?

Die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung über die neurobiologischen Grundlagen von Motivation, emotionaler Intelligenz und Intuition sowie über die Voraussetzungen guter Menschenkenntnis können Vorgesetzten wichtige Hinweise für Ihre Aufgabe geben. Dysfunktionale Haltungen und kontraproduktive Umgangsstile von Führungspersonen können das Wirkungspotenzial eines Teams bzw. der Mitarbeiter eines Unternehmens entscheidend beeinträchtigen.

Was hat das alles mit Motivation zu tun?

Motivation ist ein neurobiologisch fundiertes Geschehen. Sie setzt die Aktivierung eines im Mittelhirn gelegenen „Motivationssystems“, d.h. die Erzeugung und Freisetzung seiner Botenstoffe durch dort sitzende Nervenzellen, voraus. Der Botenstoff-Cocktail dessen Effekte Einsatzbereitschaft (Dopamin), Arbeitsfreude (endogene Opioide) und Vertrauensbereitschaft beziehungsweise Gemeinschaftsgeist (Oxytozin) miteinander verbinden, war offensichtlich ein evolutionäres Erfolgsrezept.

Wie muss man sich die Verbindung Ihrer Arbeit zum Thema Führung konkret vorstellen?

Zahlreiche neuere Studien aus der Hirnforschung zeigen: Persönliche Anerkennung und Wertschätzung aktivieren die neurobiologischen Motivationssysteme. Das Gehirn macht aus Psychologie also Biologie: Alles, was sich im zwischenmenschlichen Umfeld ereignet, wird von den fünf Sinnen wahrgenommen, im sogenannten Limbischen System des Gehirns evaluiert und mit einer biologischen Reaktion – bis hin zur Regulation von Genaktivitäten – beantwortet.

Wie wirken sich diese Erkenntnisse auf die konkrete Arbeit einer Führungskraft aus?

Um Kompetenz-Potenziale auszuschöpfen, muss zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten eine produktive Resonanz in Gang kommen, für deren Gelingen unser Gehirn mit den so genannten Spiegelnervenzellen ein sensationelles neurobiologisches System bereithält. Was einen Menschen in Resonanz zu einem anderen Menschen gehen lässt, ist 1. Körpersprache (Blickverhalten, Mimik, Körperzustand / Körperspannung, Bewegungsverhalten), 2. der Ton der Stimme und 3. die gesprochene Sprache (die Reihenfolge entspricht der Wirkkraft der drei Komponenten). Die von mir ausgehende Resonanz informiert den anderen nicht nur über meinen inneren Zustand, sie kann den anderen auch anstecken mit dem, was in mir vor sich geht, z.B. mit meinen Visionen, meinen Werthaltungen, meiner Begeisterung für die Sache, mit meiner Präsenz und meinem Optimismus.

Wie kann ein Chef dieses Phänomen wirkungsvoll für sich einsetzen?

Führungspersonen sollten beides sein: gute Resonanz-„Empfänger“, vor allem aber leistungsstarke Resonanz-„Sender“. Sie sollten als Receiver in der Lage sein, innere Positionen ihrer Mitarbeiter ein Stück weit intuitiv zu erfassen und zu begreifen, nicht etwa im Dienste einer Verwöhnungsstrategie, sondern um Mitarbeiter zu „erreichen“. Andererseits sollten Führungspersonen über starke Sender-Eigenschaften verfügen. Manager können dann durch ihr Auftreten Mitarbeiter intuitiv veranlassen, die innere Position der Führungsperson, vor allem deren Erwartungen und Visionen, zu erfassen und zu übernehmen.

Auch beim Thema Mobbing hat die Hirnforschung neue Erkenntnisse.

Fairness ist kein Fantasiekonstrukt von „Gutmenschen“, sondern ein neurobiologisch verankertes Prinzip des zwischenmenschlichen Umgangs. Erlebte Unfairness jenseits einer Toleranzgrenze führt zu Passivität, Widerstand und Verweigerung. Besonders kontraproduktiv, ja gefährlich, sind Führungsstile, die als Ausgrenzung und Demütigung wahrgenommen werden wie z.B. Mobbing-Aktionen oder Redewendungen, die Mitarbeiter der Lächerlichkeit aussetzen. Vom Gehirn können sie wie willkürlich zugefügter körperlicher Schmerz wahrgenommen werden und zu gefährlichen aggressiven Reaktionen von passiver Aggressivität bis hin zur Sabotage führen.

Den ausführlichen Aufsatz von Prof. Bauer zum JANUS-Tag finden Sie hier als pdf.

Zum Weiterlesen:

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Forum 08 / 2010

Die Vollversion des JANUS forum 08 / 2010 als PDF-Download.

Emotionale Intelligenz und Führung

Manuskript für unser JANUS forum von Joachim Bauer