
„Das war ein echter Kulturschock!“ – Die Frau, die dies sagt, kann aus eigener, eindringlicher Erfahrung sprechen, wenn sie heute in Trainings bzw. Coachings Frauen und Männer und – sehr wichtig! – deren Familien auf eine Auslandsentsendung vorbereitet. Claudia Wabel hat selbst erlebt, wie tief das Loch sein kann, in welches man fällt, wenn man als Angehöriger ins Ausland geht. Ihr Mann Stefan wurde im Jahr 1995 als Wissenschaftler nach Boulder, Colorado geschickt. Claudia ging, abenteuerlustig wie sie war und voller Vorfreude, mit. Sie war nicht vorbereitet auf die Einsamkeit, Fremdheit und – zunächst – Tatenlosigkeit, die sie dort erwartete. Ihre Miene wird ernst, wenn sie das erzählt. Sie war gut ausgebildet und durch ausgedehnte Reisen sehr versiert im Umgang mit fremden Kulturen. Aber während ihr Mann voll in einen 10-Stunden-Arbeitstag eintauchte, war sie … allein. Und begegnete intensiv … sich selbst. „Vor dieser Erfahrung kann man Angehörige wohl nicht vollständig bewahren, man kann sie aber darauf vorbereiten. Und dies ist heute einer meiner Arbeitsschwerpunkte.“
Eine Auslandsentsendung hat immer einen interkulturellen Aspekt („Wie bewege ich mich in der fremden Kultur?“) und einen Veränderungsaspekt („Wie komme ich mit der Veränderung meiner Lebensumstände klar?“). Beide Aspekte sind wichtig und beide betreffen den Entsandten und die Angehörigen. Gute Unternehmen bieten professionelle Unterstützung im Vorfeld und während der Entsendung an. Wenn sie es richtig gut machen und Glück haben, arbeiten sie dabei mit Claudia Wabel zusammen: Es gibt wohl wenige Beraterinnen, die so viel eigene Erfahrungen in diesem Feld und eine solche Leidenschaft für das Thema mitbringen. Was ihre Klienten / Kunden – und nebenbei auch wir – besonders an ihr schätzen, ist die zurückhaltende und humorvolle Art, mit der sie ihre Punkte setzt, durchdrungen von Respekt vor dem Anderen und Andersartigen. „Interkulturell erfolgreich zu arbeiten, geht gar nicht ohne Respekt vor dem, was man vorfindet.“ Sie geht noch weiter: „Die wichtigste Beratertugend ist für mich Demut. Daran erkennt man den guten Berater: Dass er jeden besserwisserischen Impuls kontrollieren kann, vielleicht sogar bereits freundlich verabschiedet hat.“ Seufz. Dann ist es für manche von uns ja doch noch ein weiter Weg …
Claudia Wabel, Jahrgang 1968, ging nach dem Abitur von Stuttgart hinaus in die Welt. Sie bereiste zusammen mit einer Freundin monatelang China, kurz vor dem Tian’anmen-Massaker 1989. Sie war in Lhasa und hat dort Menschen getroffen, die zwei Jahre lang kaum anderes tun, als sich betend nieder zu werfen. Sie war beeindruckt und irritiert von der Geduld der buddhistischen Mönche, ihrem Verzicht auf jedes Missionieren, davon, dass sie nie aufbegehren. „Man muss nicht immer verstehen.“ – Mit diesem Satz fasst sie ihre damaligen Lernerfahrungen zusammen. Wenn man ihre extrovertierte und muntere Art erlebt, ist es kaum vorstellbar, dass sie – nach Hause zurückgekehrt – eine Ausbildung zur Gemälderestauratorin angefangen und beendet hat. „Aber so still und klein-klein konnte ich gar nicht sein, wie es da verlangt wird.“ Danach studierte sie Germanistik, Journalistik und Politikwissenschaften in Berlin und Bamberg und schloss als Diplom-Germanistin ab. Ihren Professor beeindruckte sie mit einer Diplomarbeit über E.T.A. Hoffmann: Eine interaktive CDROM, die heute noch im E.T.A.-Hoffmann-Museum in Bamberg gezeigt und eingesetzt wird.
Erst ihr so schwierig begonnener, 4-jähriger USA-Aufenthalt führte sie auf den Berufsweg dem sie heute noch folgt und der sie im Jahr 2008 zu JANUS führte: Beraterin, Coach und Trainerin, perfekt in Schwäbisch und nahezu perfekt in Englisch und Hochdeutsch. („Das ist mein Traumjob. Ich will damit alt werden und werde das auch.“) Mit vielen Facetten und sehr praxisnah vertritt sie die JANUSThemen „Führung“ und „Kommunikation“ und besetzt bei uns die Spezialgebiete „Interkulturelle Kommunikation und Auslandsentsendung“ sowie „Potenzialanalyse“. Gerade erarbeitet sie mit einem unserer mittelständischen Kunden einen maßgeschneiderten Bewerbungsprozess für Führungspositionen, inklusive Anforderungsanalyse, operationaler Verhaltensmerkmale und Beobachterschulung. Ihr macht so etwas großen Spaß und der Kunde ist angetan davon, wie professionell und angemessen die gefundene Lösung ist: Nicht zu klein und nicht zu groß. Mittelständler brauchen bei Claudia keine Sorge zu haben, dass die gefundene Lösung überdimensioniert ist und der Berateraufwand übertrieben wird.
„Mein Leben ist durchgetaktet.“ – Claudia und ihr Mann haben drei Kinder (12-9-7 Jahre) und halten als Eltern „total zusammen“. Die Balance zwischen all den unterschiedlichen Anforderungen zu halten ist jeden Tag eine Herausforderung. Und manchmal begleitet Claudia noch Reste eines schlechten Gewissens den Kindern gegenüber. Aber gute Kinder spüren so etwas ja und ihre sagen dann tolle Sachen zu ihr, wie: „Du bist die beste Mama der Welt!“ und – sehr klug: „Mama, wenn Du nicht arbeiten würdest, dann wärst Du ja total langweilig!“
CS
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Die Vollversion des JANUS forum 05 / 2011 als PDF-Download.