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Entwickler gestalten Wandel

Sobald Unternehmen die Weichen grundlegend neu stellen wollen, beginnt das Ringen um die Umsetzung der geplanten Veränderungen. Das Entwicklungsressort der BMW Group hat sich in seinem aktuellen Projekt E-Change LIFE dieser Herausforderung gestellt.

„Führender Anbieter von Premium-Produkten und Premium-Dienstleistungen für individuelle Mobilität“, so lautet die strategische Zielsetzung, die die BMW Group auf ihrer Website formuliert. Ein Zukunftsbild, das die Verantwortlichen des BMW-Entwicklungsressorts sicher vor Augen hatten, als sie 2007 die Bereichsstrategie E3 lancierten, welche sich wiederum aus der Gesamtstrategie „Number ONE“ des BMW-Konzerns ableitet. E3 fokussiert als konsequente Umsetzung dieser Unternehmensstrategie auf die Faktoren „Effizienz“, „Erfolg“ und „Emotion“ – und deren Einfluss auf die Arbeit des Entwicklungsressorts. Standen zunächst Projekte zu den Parametern „Erfolg“ und „Effizienz“ im Vordergrund, konzentriert sich seit 2008 das Projekt E-Change LIFE, orientiert an der Ressort-Strategie, auf das gemeinsame Verständnis von Zusammenarbeit.

Dabei gehen die Bayern einen ganz neuen Weg: Das Veränderungsvorhaben wurde basierend auf den Kernpunkten der Entwicklungsstrategie und insbesondere den fünf Geschäftsprinzipien des Entwicklungsbereichs durch 24 ausgewählte Führungskräfte von innen heraus gemeinsam mit Entwicklungsvorstand Dr.-Ing. Klaus Draeger entwickelt. Die Fachleute der hauseigenen Change Management Beratung standen diesem Kernteam intensiv beratend zur Seite und begleiten die Führungskräften bis heute bei der Umsetzung. In die Prozessarchitektur des Veränderungsvorhabens hat auch JANUS-Geschäftsführerin Martina Goldhorn ihre Expertise eingebracht. Die Bühne selbst jedoch gehört der Führungsmannschaft. Entstanden ist ein vielschichtiges, hochkomplexes Change-Projekt, das den rund 8.000 Mitarbeitern des Entwicklungsressorts (E-Ressort) die strategischen Botschaften des Bereichs sowie die daraus abgeleiteten fünf Geschäftsprinzipien näher bringen soll.

Mit einem Mix aus Information und aktiver Mitgestaltung soll jeder einzelne Bereichsmitarbeiter die Strategie verinnerlichen und für sich in Alltags handeln über setzen. Moderationstandems aus Führungskräften des oberen und mittleren Managements führen 1,5-tägige Workshops durch, zu denen alle Mitarbeiter des Ressorts eingeladen sind. Jede involvierte Führungskraft tritt so zusätzlich zu ihren täglichen Aufgaben zwei bis drei Mal mit einem zufällig ausgewählten Kollegen eines anderen Fachbereichs an, um gemeinsam mit den Teil nehmern die anstehenden Themen zu bearbeiten. Bis zum Projektende werden rund 500 Workshops stattgefunden haben.

Diesen Treffen vorangestellt sind dreitägige Befähigungsworkshops, die die beteiligten Führungskräfte darauf vorbereiten, mit den Mitarbeitern prozessorientiert die Veränderung voran zu treiben. „Wir verfolgen einen dialoggeprägten Ansatz, die Führungs kräfte müssen zunächst selbst verstehen, was das Besondere an E-Change LIFE ist“, sagt Barbara Forster, die als Change Management Beraterin das Projekt leitet. Zwei Tage der Moderatoren-Schulung finden in Aying bei JANUS statt. „Dann geht es darum, mit den Führungskräften den Ernstfall, der definitiv kommt, zu üben“, erklärt Martina Goldhorn, die das BMW-Projekt bei JANUS verantwortet. In der Trainingseinheit steht das Zu sammenspiel von transaktionaler und transformationaler Moderation, zwischen Anleiten und Begleiten, im Vordergrund. Martina Gold horn erklärt: „Vor gesetzte sind in der Regel geübt, vor Gruppen zu stehen, zu moderieren und ergebnisorientiert zu führen, doch hier müssen sie etwas ganz anderes machen, nämlich Menschen für Veränderung gewinnen und Raum für Dialog und persönliche Beteiligung geben“. Augenhöhe herzustellen, die Mitarbeiter-Sicht auf Dinge ernst zu nehmen, Teilnehmer im Widerstand zu akzeptieren und Raum für eigene Erkenntnisse zu geben, sei auch für erfahrene BMW-Führungs kräfte in der Regel herausforderndes Terrain. Die Führungskräfte müssten lernen, Gruppendynamik zu verstehen, genau hinzuhören, auf Meinungen einzugehen – und dabei immer Orientierung zu geben.

„In den Mitarbeiter-Workshops geht es nicht darum, die Teilnehmer auf Inhalte zu schubsen, sondern einen Erkenntnisprozess von innen heraus zu moderieren“, präzisiert Change Management Beraterin Barbara Forster. Deshalb wird in der Moderatorenausbildung abwechselnd aus Teilnehmersicht und in der Moderatorenrolle geübt. „Der Perspektivenwechsel bringt wertvolle Einsichten und verändert die Führungskultur im Bereich“, gewinne dialogorientierte Führung von innen heraus zunehmend Raum. Die Ableitung von Erkenntnissen für die alltägliche Führungsarbeit steht mit auf dem Programm. Vera Wiegand, Leiterin der BMW Change Management Beratung, sieht in den Trainings einen Ausgangspunkt für das Gelingen des gesamten Veränderungsprozesses: „Die praxisbezogenen Befähigungsworkshops sind einer unserer Erfolgsfaktoren, sie geben Anstoß, Neuland zu erkunden, die Komfortzone zu verlassen und vermitteln nach erlebtem Erfolg das positive Gefühl‚ die Herausforderung gemeistert zu haben“. Die Teilnehmer lernten in ihrer Moderatorenrolle zudem die Anwendung anderer Führungselemente, die ihren Alltag nachhaltig verändern.

Die Klammer über E-Change LIFE – und vermutlich heimliches Erfolgsrezept – ist das Thema Kooperation. Über das Projekt wurde kooperatives Handeln im E-Ressort weiter in die Tat umgesetzt: In den Moderations-Tandems der Führungskräfte, im Projektmanagement von E-Ressort und Change Management Beratung und letztlich über die inneren Prozesse der Führungskräfte im gelebten (Führungs-) Alltag des Bereichs.


E-Change-LIFE in Zahlen

(bis Projekt-Abschluss Mitte 2012)


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Forum 12 / 2011: Entwickler gestalten Wandel

Die Vollversion des JANUS forum 12 / 2011 als PDF-Download.