Dialogkompetenz Visuals (8)

Die fünf apokalyptischen Reiter

Was hat John Gottman mit dem Unternehmensalltag zu tun? Eine sehr berechtigte Frage, denn John Gottman ist eigentlich Paartherapeut. Wir behaupten, VIEL! Das Besondere an seiner Forschung ist, dass er anhand von nur fünf kommunikativen Verhaltensmustern mit großer Sicherheit vorhersagen konnte, ob Partnerschaften und Beziehungen in die Brüche gehen. Vielleicht ist es nicht gleich der in der Bibel angekündigte, nahende Weltuntergang, aber Vertrauen und Konfliktfähigkeit sind auch und gerade im Unternehmensalltag wichtige Fundamente für langfristigen Erfolg. Hier also ein kurzer Ausflug zu den apokalyptischen Reitern und ihrer destruktiven Wirkung:

Der erste Reiter heißt Kritik. Damit ist nicht gemeint, dass man einfach etwas formuliert, was einen am anderen stört. Es geht eher darum, dass zusätzlich etwas Negatives über die Persönlichkeit des anderen „beigemischt“ wird. Gefährlich sind dabei z.B. Wörter wie „immer“, „nie“, „jedes Mal“, „dauernd“ & „natürlich“ … also Übertreibungen, die so nicht stimmen und Vergangenheit und Zukunft gleich miteinschließen.

Auf den persönlichen Angriff folgt meistens postwendend eine Verteidigungsreaktion. Demnach ist Verteidigung für Gottman der zweite apokalyptische Reiter, der Unheil bringt. Dabei ist es ein natürlicher Reflex, sich verteidigen zu wollen. Schließlich will man sich nicht noch mehr verletzen lassen. Gottman hält das in der kommunikativen Auseinandersetzung jedoch für sehr gefährlich. Indem der eine versucht, verteidigend die eigene Situation zu erklären, fühlt sich der andere in seiner (subjektiv berechtigten) Kritik übergangen, weil auf seine Bedürfnisse nicht entsprechend eingegangen wurde. Spätestens nach dem zweiten „ja, aber…“ merken Sie, dass das Gespräch zur Verteidigung mutiert ist.

Gelingt der Ausstieg nicht, wird es ernst: Der dritte Reiter, genannt Verachtung, galoppiert heran. Gottman hält ihn für den gefährlichsten der fünf. Die Ursache sieht er in Problemen, die schon lange bestehen und nicht gelöst wurden. "Verachtung wird von langen schwelenden negativen Gedanken über die andere Person genährt." Das Gegenüber ist dann in einer „Schublade“ gelandet, ohne dass eine Lösung gesehen wird.

Ist eine Trennung oder Kontaktabbruch nicht möglich, wartet schon der vierte apokalyptische Reiter: Rückzug. Alternativ könnte man ihn auch "Mauern" nennen. Der oder die Kritisierte zieht sich einfach zurück. Die Kritik bleibt unerwidert. Auf den ersten Blick wirkt das Mauern nicht so heftig wie ein Streit, bei dem so richtig die Fetzen fliegen. In Wirklichkeit aber ist es eine Demonstration der eigenen Gleichgültigkeit dem anderen gegenüber. Das provoziert natürlich Frust und Zorn, weil sich beim Gegenüber Hilflosigkeit breitmacht.

Der fünfte und finale Reiter heißt Machtdemonstration. Gottman schickte ihn nachträglich ins Rennen, denn anfangs kam er bei seinen Überlegungen nur auf vier apokalyptische Reiter. Aber die haben ohnehin schon ganze Arbeit geleistet, wenn der fünfte – die Machtdemonstration – das Schlachtfeld betritt. Das Interesse am Gegenüber und an dessen Bedürfnissen ist gänzlich gewichen und es werden machtvolle Karten gezogen (z.B. “ich bringe hier das Geld nach Hause”; “ich bin hier die Führungskraft”, “Ich habe hier das Expertenwissen!”).

Was tun? Oder noch wichtiger, was lassen? Ein erster Schritt könnte sein, dass Sie den ersten Reiter bändigen und die jeweiligen Wörter aus dem Wortschatz streichen.

Denn sie stimmen in der Regel nicht.

Literaturhinweise:

Gottman, John M. (1993). A theory of marital dissolution and stability. Journal of Family Psychology. 7 (1): 57–75.

Wir verwenden Cookies

Wir, die Janus GmbH & Co. KG, verwenden eigene und fremde Cookies sowie Services, um Informationen zu sammeln, die dazu beitragen, ihren Besuch auf unserer Webseite zu analysieren und zu optimieren. Sie können ihre Einwilligung jederzeit widerrufen. Weitere Informationen entnehmen Sie den Einstellung und unserer Datenschutzerklärung und dem Impressum.