26.10.2015„What is this shit?“

Wir haben hier bei Janus nur wenige Zeitschriften abonniert. Eine davon ist brand eins. Weil einfach in jeder Ausgabe etwas Spannendes zu finden ist, kann es sein, dass ein Exemplar mehrere Monate kursiert, bis es bei mir ankommt. Die Kollegen nehmen das mit nach Hause, lesen es am Wochenende, genüsslich nach Feierabend oder sogar im Urlaub. Entsprechend lange dauert es und entsprechend zerlesen aber inhaltlich weiter hochaktuell ist die Zeitschrift, bis sie bei mir ankommt. So war es auch mit der Ausgabe vom Januar 2015 mit dem schlichten Titel „Du“. „Schwerpunkt Selbstbestimmung“.

Ich frag mich jedes Mal, wie er das macht, der Wolf Lotter von brand eins: Monatlich auf Bestellung  ein geistreiches Essay zum Schwerpunktthema produzieren, dabei immer einen wirklich großen gedanklichen Bogen aufspannen und auf den ersten Blick total Unverbundenes miteinander kreativ in Beziehung zu bringen. So, dass man sich fragt: Warum habe ich das nicht vorher gesehen?  Ist dieser Herstellungsprozess so lustvoll, wie es ist, das Ergebnis zu lesen? Muss ich ihn mal fragen, den Wolf Lotter …

Im Essay unter dem Thema „Die Selbstbestimmer“ (im Netz verfügbar; brand eins ist sehr großzügig mit seinen journalistischen Produkten) wird der gesellschaftliche Nutzen, die gesellschaftliche Notwendigkeit  von selbstbestimmten, sich selbstverwirklichenden und selbst-verantwortlichen Menschen herausgearbeitet. Und es werden die kulturellen Muster („this shit“), welche eine Beschäftigung mit dem Selbst als Selbstsucht, Selbstverliebtheit, Ellbogenmentalität oder Egoismus verdammen, bloßgelegt. „Es ist höchste Zeit, mit diesem Unfug aufzuhören.“, schreibt brand eins. „Nur wer weiß, was er am besten kann, und diese Talente und Fähigkeiten pflegt, kann sich und andere nach vorne bringen.“

Selbst-Verwirklichung wird dabei scharf von der grassierenden Selbst-Optimierung abgegrenzt. Und spätestens hier gibt es eine Verbindung zu dem, was Janus in seiner Seminarreihe PERSÖNLICHKEITEN in den Vordergrund stellt: „Es kommt nicht auf Ihre Selbstoptimierung an. Nicht darauf, immer effizienter zu werden, andere noch wirkungsvoller zu manipulieren. Es kommt darauf an, dass Sie zu sich selbst kommen.“

http://www.brandeins.de/archiv/2015/selbstbestimmung/wolf-lotter-einleitung-selbstbestimmung-die-selbstbestimmer/
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